Der Giro auf der Zielgeraden: Die wichtigsten Fragen und Antworten

  • Welches sind die Schlüsselstellen in der dritten Woche?
    Die Entscheidung wird wohl auf den Etappen 19 und 20 fallen. Die Anstiege zum Colle dell’Agnello und zum Col de la Bonette sind aufgrund ihrer Höhe und ihrer Länge die Scharfrichter des Giros. Wer sich hier eine Schwäche erlaubt, verliert alle Chancen auf den Gesamtsieg. Zudem kann das Wetter dort oben verrücktspielen. Bei schlechten Witterungsbedingungen könnte sich an diesen beiden Anstiegen ein ganz anderes Rennen entwickeln.

  • Gewinnt Steven Kruijswijk den Giro?
    Diese Frage ist aus meiner Sicht zu mindestens 80 Prozent mit ja zu beantworten. Der Niederländer ist am Berg der stärkste Fahrer und wird im direkten Duell in einem der Schlussaufstiege kaum abzuhängen sein. Allerdings stehen hinter seinem Team und seinen Fähigkeiten, ein Leadertrikot bei einer großen Landesrundfahrt zu verteidigen, zwei große Fragezeichen.

Kruijswijk

  • Wie lässt sich Kruijswijk noch aus dem Leadertrikot fahren?
    Mit einer unkonventionellen Aktion. Wenn die Konkurrenten den Niederländer am Berg nicht abhängen können, dann müssen sie es in der Abfahrt probieren. Ein solches Szenario würde aber wohl nur funktionieren, wenn eine Mannschaft einen oder zwei Helfer in der Fluchtgruppe platziert, Kruijswijk am vorletzten Berg isoliert und ihn dann in der Abfahrt attackiert. Vincenzo Nibali und Alejandro Valverde haben die Fähigkeiten für eine solche Attacke und auch die dafür erforderliche Streitmacht.
  • Wird es Allianzen geben?
    Die Kernfrage der dritten Woche. Zwischen Astana und Movistar scheinen die Fronten so verhärtet zu sein, dass keiner dem anderen einen Blumentopf gönnt. Nur bei einer Schwäche oder einem anderen Problem von Kruijswijk wäre es denkbar, dass sich zwei Teams gegen den Träger des Rosa Trikots verbünden. Ansonsten dürfte es so kommen, dass der Vierte dem Sechsten hinterherfährt, weil er Angst um seinen Platz hat.

„Vielleicht könnte sich eine Allianz mit Alejandro Valverde ergeben. Aber wir müssen sehen, wie das funktioniert. Es ist nicht einfach.“ Vincenzo Nibali

Nibali

  • Wie sieht das Formbarometer der Favoriten vor der dritten Woche aus?

👍Steven Kruijswijk: *****
Der Niederländer macht den stärksten Eindruck aller Favoriten und bringt eine ungeheure Kraft auf die Pedale – Pole-Position.

👍 Esteban Chaves: ****
Nach Kruijswijk der zweitstärkste Fahrer am Berg. Sein Handicap waren die beiden Zeitfahren. Im direkten Duell konnte nur er Kruijswijk halten. In einer anderen Mannschaft würde ich Chaves den Giro-Sieg zutrauen. Aber die Orica-Truppe ist nicht gerade mit Kletterspezialisten gespickt, wodurch Chaves als Einzelkämpfer auf Schützenhilfe angewiesen ist.

👎 Alejandro Valverde ***
Sphinx Valverde. Aus dem Bergzeitfahren könnte man schließen, dass er nach Corvara nur einen schlechten Tag hatte. Sollte dies der Fall sein, dann ist mindestens noch das Podium drin.

👎 Vincenzo Nibali **
Der Kopf will, doch der Körper streikt. Beim Bergzeitfahren machte Nibali auf mich keinen kraftvollen Eindruck. Der Sizilianer hat sich mit seinem Formaufbau in diesem Jahr verpokert und kann diesen Giro nur noch mit einer Attacke von weit weg gewinnen – bei der letzten Tour hat er gezeigt, dass er so was kann.

Ein Gedanke zu „Der Giro auf der Zielgeraden: Die wichtigsten Fragen und Antworten

  1. Christian Hoff

    Was ist denn von der These zu halten, Nibali gibt auf, fährt den Giro alibimäßig weiter und konzentriert sich eigentlich schon auf die Tour? Klar, da rappelt es im Karton mit Aru, Freunde sind Sie nicht, aber wäre dies nicht zumindest ein Gedanke, der durchaus möglich wäre?

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